Historie von VOSSENACK – das Dorf mit Weitblick

Die langgestreckte Geländeform hat das Motiv für die Namensgebung „Fuchsnacken“ geliefert. Der Ursprung des Dorfes ist der „Vossenacker Hof“, der -- als Hofgut von Marschällen des Herzogs von Jülich -- mit für die damalige Zeit sehr beachtlichen Rechten ausgestattet war. Dieser Hof, dessen Lage bisher (noch?) nicht gefunden wurde, wird nach dem bisherigen Stand erstmalig am 25.11.1472 als „Voyssnacken“ erwähnt. Allerdings gibt es einen Hinweis, dass er schon im Jahre 1433 bestanden hat. In den Jahren danach haben sich um diesen Hof Kleinbauern angesiedelt.

Der Bereich Germeter und der dort entspringende Bosselbach wird schon im Jahre 1342 als „Germyde“ und „Busselbach“ erstmalig erwähnt. Vermutlich war es nur ein Jagdbezirk, der ca. 100 Jahre später aber besiedelt war, denn unter dem Datum 11.12.1448 wird ein „Johan Gyrmonden“ als Schöffe in Lendersdorf genannt, dessen Nachname die Herkunft von Germeter erkennen lässt. Der Ortsname „Germeter“ soll vom lateinischen „Carmetum“ = Hainbuchenwald abgeleitet sein.

Die Fahne von Vossenack dokumentiert die Geschichte. Der Name Vossenack bedeutet so viel wie Fuchshöhe oder Fuchsberg. Er ist in einem „redenden“ Wappen bildlich wiedergegeben durch den Fuchs und den in der klassischen Heraldik üblichen Dreiberg. Die Kleeblätter sind altes Symbol für die Landwirtschaft schlechthin, deren Vierzahl steht für Vossenack mit den Ortsteilen Simonskall, Raffelsbrand und (ehemals) Germeter. Die Farben sind sinngemäß gewählt, wobei das Grün auch auf die Land- und Forstwirtschaft bezogen werden kann.

Die Höhenmeter in und um Vossenack herum sind aufgrund der angrenzenden Täler (im Westen das Wehebachtal, im Norden das Tiefenbachtal, im Osten das Kallbachtal sowie im Süden das Richelsbachtal) sehr unterschiedlich = Vossenack-Unterdorf 390 m NN, Vossenack-Germeter 448 m NN, Simonskall 300 m NN, Raffelsbrand-Wollseiffener Str. 480 m NN und Raffelsbrand-Ringstraße 550 m NN = die höchste Stelle im Kreis Düren. Vossenack ist flächenmäßig mit rund 27,8 qkm der größte Ort der Gemeinde Hürtgenwald.

Die Bevölkerungsentwicklung in Vossenack (ohne Simonskall und Raffelsbrand) dokumentieren folgende Zahlen:

50 Familien im Jahre 1625
642 Einwohner im Jahre 1817
967 Einwohner im Jahre 1885
1.495 Einwohner im Jahre 1939
754 Einwohner im Jahre 1946
1.120 Einwohner im Jahre 1950
1.412 Einwohner im Jahre 1960
1.417 Einwohner im Jahre 1961
1.821 Einwohner im Jahre 1970
1.794 Einwohner im Jahre 1980
2.299 Einwohner zum 01.01. 2000
2.271 Einwohner zum 01.01. 2008
2.296 Einwohner zum 01.01. 2012
2.289 Einwohner zum 01.01. 2013
2.293 Einwohner zum 01.01. 2014
2.322 Einwohner zum 01.01. 2015
2.336 Einwohner zum 01.01. 2016
2.534 Einwohner zum 01.01. 2017
2.447 Einwohner zum 01.01. 2018

Im Herbst des Jahres 1944 wurde der Ort jäh in das gleißende Licht der Geschichte gezerrt. In den Kämpfen des zweiten Weltkrieges starben etwa 12.000 Soldaten in Hürtgenwald. Die US-Soldaten hatten von Belgien kommend den Befehl, von Germeter (heute ein Ortsteil von Vossenack) über Vossenack in das Kalltal vorzudringen, um auf der gegenüber liegenden Seite über Kommerscheidt nach Schmidt und von da aus weiter ins Rheinland zu gelangen. Der dafür ausersehene Waldweg - der heutige „Kall Trail“ – war knapp zwei Meter breit, steil und schlammig, und die ebenso breiten Sherman-Panzer brauchten nicht lange, um diesen als Hauptnachschubstrecke gedachten Weg vollständig zu blockieren. Während dessen tobte in und um Vossenack zwischen den amerikanischen und deutschen Soldaten eine ebenso erbitterte wie verzweifelte Schlacht bis hinein in das Kirchengebäude. Das Dorf Vossenack wurde vollständig verwüstet.

Hierzu ein Videodokument -> Dieses Dokument ist Teil des Projekts Multimedia-Historyguide der Konejung Stiftung: Kultur. Auf sechs Themenschleifen des „Historisch-literarischen Wanderweges ® Hürtgenwald 1938 -1947" können Sie anhand von Interviews, historischem Film- und Bildmaterial die Ereignisse jener Jahre vom Westwallbau über die Schlacht im Hürtgenwald bis hin zum großen Waldbrand und dem Wiederaufbau nacherleben.

D2KallTrail

Die Nachkriegszeit war hart. Trotz alltäglicher Entbehrungen baute die Bevölkerung mit sehr viel Mut, Überzeugung und Energie ihre Heimat wieder aus Schutt und Asche auf. Dieser Aufbau sowie das Streben der Bevölkerung nach Gemeinschaft und Zusammenhalt waren die Basis für eine jahrzehntelange erfolgreiche Dorfentwicklung. Dies bestätigen unter anderem die in den letzten Jahren erhaltenen Auszeichnungen im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“: Im Jahre 2011 erhielt Vossenack die Goldmedaille auf Kreisebene (Kreis Düren) sowie in 2012 die Goldmedaille auf Landesebene (NRW). Somit durfte sich das Dorf Vossenack im Jahre 2013 in der Endausscheidung mit weiteren 23 Dörfern aus der gesamten Bundesrepublik Deutschland messen und es wurde mit der Bronzemedaille ausgezeichnet.

Geschrieben von Manfred Braun