Dürener Nachrichten, 25.11.2017

„Man kann alles schaffen“ Von naima Wolfsperger Manuela Baier hat 2015 das Landhotel Kallbach in Simonskall übernommen. Jetzt wurde sie beim Gründerpreis NRW ausgezeichnet. Dabei hatte sie bis vor zwei Jahren keine Ahnung von der Hotellerie. Hürtgenwald. Das schönste Fleckchen Erde, das liegt in der Eifel. Genauer: in dem Hürtgenwalder Ortsteil Simonskall. Zumindest für die Globetrotterin Manuela Baier. Als Einkäuferin im Textileinzelhandel ist sie viel gereist, war etwa 30 Jahre zwischen Hamburg, New York und Hongkong unterwegs. Seit zwei Jahren betreibt sie nun das Landhotel Kallbach in Simonskall, hat das sogenannte Jetset-Leben für die Idylle in dem 52-Seelen-Dorf aufgegeben. Jetzt wurde sie mit dem dritten Platz des NRW Gründerpreises geehrt: für ihr modernes Konzept, für Nachhaltigkeit und für ihr soziales Engagement. Und das, obwohl sie bis vor zwei Jahren keine Ahnung hatte von der Hotellerie. Gegen Stromfresser Mit dem Gründerpreis wird Baier für ihre Verbindung von Tagungs-, Wellness- und Sportkonzepten im Landhotel ausgezeichnet. Mit einem „Adventure Golfplatz“, einer Kombination von Mini- und regulärem Golf, will sie das Eifeldorf Simonskall auch für jüngere Menschen attraktiver machen. Im Bereich Nachhaltigkeit punktet Baier damit, dass sie sich gleich zu Beginn der Übernahme gegen Stromfresser wie etwa die 52 Minibars entschied, die in den Zimmern aufgestellt waren, und sie entfernen ließ. Nicht zuletzt ist es aber auch ihr soziales Engagement, das mit dem Gründerpreis prämiert wird. Flüchtlingsunterkünften in Hürtgenwald spendet sie nicht nur Bettwäsche und Handtücher ihres Hotels, sie setzt sich auch für jene ein, die bei ihr arbeiten möchten. Einer Frau, die als Flüchtling aus Bosnien kam und nun als Hausdame im Landhotel angestellt ist, half Baier bei bürokratischen Prozessen. Derzeit bemüht sie sich besonders um einen jungen Syrer, der im Hotel aushilft. „Ich möchte ihn davon überzeugen, eine Ausbildung zu machen. Auch wenn das kurzfristig weniger Geld für ihn bedeutet. Auf lange Sicht wird er davon profitieren.“ Bevor sie das Hotel übernahm, war Baier jahrelang in Führungspositionen und nicht zuletzt auch als Vorstandsmitglied in einem großen Textilunternehmen die einzige Frau unter Männern. Dafür brauche man Ellbogen, sagt die 51-Jährige. Und: „Man muss die Fußballergebnisse kennen.“ Sie lacht und freut sich ganz offensichtlich, dass sie morgens nicht mehr nachlesen muss, wie Schalke gespielt hat. „Ich interessiere mich überhaupt nicht für Fußball.“ Nach einem „eher schlechten Realschulabschluss“ machte Baier in ihrer Jugend eine Einzelhandelsausbildung. Sie arbeitete hart und hatte Ambitionen, stieg bald auf und wurde unter anderem Gesamteinkaufsleiterin bei der Tchibo GmbH in Hamburg für den gesamten Textilbereich. 2012 schaffte sie es schließlich in den Vorstand der Adler Modemärkte AG. Scheinbar der Höhepunkt ihrer Karriere. Doch bereits nach einem Jahr zog sie sich zurück und legte „aus persönlichen Gründen“ ein Sabbatjahr ein. „Mein Mann lebte damals in unserem Haus in Neuss. Ich pendelte und wohnte unter der Woche in einer 1,5-Zimmer-Wohnung in Aschaffenburg.“ Dabei sei sie sich vorgekommen wie eine Studentin, die über die Wochenenden nach Hause fährt – „obwohl ich arbeitete wie eine Wahnsinnige“, erklärt Baier, warum sie den Vorstandsposten bei Adler aufgab. Mit unverhohlenem Stolz blickt sie auf ihre Karriere zurück. Sie ist jemand, der gerne anpackt, ein wenig rastlos vielleicht – vom Typ Lieber-machen-als-reden. „Ich habe gelernt, dass man alles schaffen kann, wenn man sich ein Ziel steckt und Mühe gibt“, sagt sie. Obwohl sie im Bereich der Hotellerie ein unbeschriebenes Blatt gewesen sei, habe sie sich an das Gastgewerbe herangewagt. Zuerst wollte sie den Hotelbetrieb verstehen. „Zwei Monate war ich Praktikantin im Landhotel, habe Toiletten geschrubbt, Betten gemacht und in der Küche stundenlang Kohlrabi geschält.“ Als sie dann die Führung des Hotels antrat, übernahm sie das gesamte Personal. Darunter auch Dieter Walter, der  Baier als „schnell – im Kopf und in der Tat“ beschreibt. „Da muss man immer gut aufpassen, damit man mithalten kann“, sagt der Serviermeister. Er ist Manuela Baiers rechte Hand und weiß, dass sie auch von ihrem Personal fordert, auf Zack zu sein. Walter vertritt Baier, wenn sie im Urlaub oder auf anderen Terminen ist – wie etwa beim Tierarzt. Denn der Aufbau einer Hundezucht ist ein weiterer ihrer Träume, den sie sich in dem Eifeldorf erfüllen möchte. „Am Montag stellt sich heraus, ob Helena trächtig ist“, sagt Baier und streichelt den Schweizer Sennenhund. „Das ist mindestens so aufregend, wie den Gründerpreis zu erhalten.“ Aus dem Schlaf erwecken Das Hotel laufe gut, sagt Baier – und sie investiere weiterhin Schritt für Schritt in Renovierung und Ausbau. 30 Angestellte kann sie aktuell verzeichnen, darunter acht Auszubildende. Wenn sie über ihr Landhotel spricht, dann hat sie auch immer das Wort „Simonskall“ im Mund. Der Ort müsse bekannter werden, sagt sie. „Die Natur ist hier so schön, dass man sich vorkommt wie in einer Märchenwelt. Jetzt müssen wir das versteckte Örtchen nur noch aus seinem Dornröschenschlaf erwecken und es auch für jüngere Menschen interessanter machen.“

Dürener Nachrichten 20.11.2017

Mahnende Worte Kreis Düren/Vossenack. An zahlreichen Orten im Kreisgebiet wurde am gestrigen Volkstrauertag der Millionen Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Bei der zentralen Gedenkfeier des Kreises Düren auf der Kriegsgräberstätte im Hürtgenwalder Ortsteil Vossenack erinnerte der stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK), Kreisdezernent Peter Kaptain, an ein berühmtes Zitat von Konrad Adenauer: „Frieden und Freiheit sind die Grundlagen jeder menschenwürdigen Existenz.“ Er ermahnte alle Bürgerinnen und Bürger, die Augen nicht vor aktuellen Konflikten in der ganzen Welt zu verschließen. „Lassen Sie sich nicht von verharmlosenden Bezeichnungen wie ‚bewaffneter Konflikt‘ und der abstumpfenden Wirkung von TV-Bildern täuschen“, betonte Kaptain in Abwesenheit des erkrankten Landrats Wolfgang Spelthahn (CDU). In jedem Krieg würden Menschen sinnlos sterben, damals wie heute. Einen Bogen, den auch die Schüler Heiko Westerburg und Hagen Urban vom Franziskus-Gymnasium schlugen. Auch wenn Menschen Tausende Kilometer entfernt sterben, dürfe das bei uns nicht gleichgültig sein. Und sie forderten dazu auf, das Gedenken an die Opfer nicht auf den Volkstrauertag zu beschränken, sondern sich das ganze Jahr über zu vergegenwärtigen, wie wichtig Frieden auf der Welt sei. (ja)

Dürener Nachrichten 16.11.2017

Neues Mariechen wird umjubelt „Elsspechte“ inthronisieren Heike I. Vossenack. Ganz pompös startete die Karenvalsgesellschaft „Els-Spechte“ in die Jubiläumssession. Die Vossenacker Gesellschaft feiert in diesem Jahr ihr dreimal elfjähriges Bestehen. Mit prächtigem Einmarsch gratulierten Karnevalsgesellschaften aus der Gemeinde Hürtgenwald wie auch dem Bereich der Nordeifel von Hellenthal bis Ettelscheid den „Els-Spechten“. Neue Präsidentenkette Präsidentin Andrea Hages, die gekonnt durch das Programm von Sessionsauftakt und Prinzessinnenproklamation führte, erhielt vom Ersten Vorsitzenden Marcus Andres zum Jubiläum die neue Präsidentenkette überreicht und zu Ehren des scheidenden Prinzenpaares wie auch der neuen Prinzessin Heike I. (Laufer) waren alle ehemaligen Tollitäten aus dem höchsten Dorf in der Gemeinde Hürtgenwald auf der Bühne des Dorfgemeinschaftshauses aufgezogen. Antonia Fliegen, das neue Kindermariechen der Vossenacker „Els-Spechte“ gab ihr viel bejubelten Debüt und zum Programm trugen auch Gäste mit Reden und Gesang sowie die Band „Lückenfüller“ bei. (sps)

Dürener Nachrichten 16.11.2017

Pferdehöfe: Nachfrage größer als Angebot Hürtgenwald. Wer wachen Auges durch die Gemeinde Hürtgenwald fährt, sieht nicht nur viele Pferde, sondern auch, dass für die Vierbeiner Geld in die Hand genommen wird. Die Höfe investieren, erneuern, bauen an oder um. Einige von ihnen setzen auf das Konzept des Bewegungsstalls. Zwei Unternehmer von Pferdebetrieben erklären, warum sie diese Art der Tierhaltung für zukunftsweisend halten und was die Pferdehalter daran schätzen. Wer sein Pferd auf dem Bosselbacher Hof in Vossenack unterbringen möchte, muss drei bis vier Jahre Geduld mitbringen. Auf der Warteliste des Betriebes stehen derzeit 30 Pferdehalter und wöchentlich rufen neue Interessenten an. Die Nachfrage sei deutlich höher als das Angebot, sagt Swen Kaulen. Deshalb zügig das Angebot zu erweitern und neue Tiere aufzunehmen, ist für den 29-Jährigen zurzeit aber keine Option. Platz und Zeit hat er für 50 Pferde. Bei beiden Faktoren möchte er keine Einschränkungen machen, damit die Qualität der Versorgung weiterhin hoch bleibe. „Wir überlegen, fünf Pferde separat unterzustellen und dafür fünf neue zu nehmen, aber das will gut kalkuliert sein“, sagt Kaulen. Allein von der Pferdehaltung könnte die Familie aber nicht leben. Sie stützt ihren Betrieb auf mehrere Säulen: Die Eltern betreiben im ehemaligen Pferdestall ein Café, es gibt einige Ferienwohnungen, für die Gäste auch Reitstunden und den Aktivstall. Mit letzterem Konzept seien sie in der Region einer der ersten Höfe gewesen, sagt Swen Kaulen. Er ist überzeugt, dass die Boxenhaltung der Vergangenheit angehört und nun immer mehr Betriebe auf den Aktivstall setzen werden. Darin leben die Tiere nicht einzeln in Boxen, sondern in einer großen Herde, können und sollen sich viel an der frischen Luft bewegen und mehrmals täglich fressen. Das Gelände des Bosselbacher Hofes liegt leicht abfallend am Hang und ist in drei Ebenen aufgeteilt. Oben ist ein Ruhebereich für die Tiere, in dem sie auch Wasser bekommen. In der Mitte gibt es Kraftfutter und unten Raufutter. Alle zwei Stunden können sich die Tiere an automatisch betriebenen Stationen Futter abholen. Dieses System spart nicht nur Arbeitskraft, sondern ist auch näher an der natürlichen Lebensweise, da Pferde auch in freier Wildbahn mehrmals täglich essen und sich viel bewegen. Zehn bis zwölf Kilometer seien sie jeden Tag unterwegs, müssten also nicht täglich geritten werden, sagt Swen Kaulen. „Ich habe die Obhutspflicht, sie sind versorgt. Alles, was die Besitzer zusätzlich machen möchten, ist Hobby. Sie müssten eigentlich gar nicht herkommen.“ Diesen Service und die Art der Haltung wissen einige zu schätzen. Aus Aachen, Kerpen und der ganzen Region kommen Kunden in den Hürtgenwald. Auf die setzt auch Sabine Gossart. Sie ist Betriebsleiterin des Pferdeparks Buchenbusch in Raffelsbrand. Auf ihrem 10,5 Hektar großen Gelände laufen derzeit an Reithalle, Auslauf und Wegen die letzten Arbeiten, so dass der neue Bewegungsstall für 34 Tiere in diesem Jahr fertig werden soll. „Ich glaube, dass der Aktivstall die Zukunft ist und da wirtschaftliche Chancen sind“, ist die Pferdefachwirtin überzeugt. Sie übernahm den Hof im vergangenen Jahr, betreibt Land- und Forstwirtschaft im Nebenbetrieb und hat selbst fünf Pferde. Anwärter für die zukünftige Herde gibt es schon – und das, obwohl der Hof weder in der Werbung noch im Internet zu finden ist. „Seit ein paar Wochen haben wir ein Schild auf der Wiese mit einer Telefonnummer, aber es kommen auch immer wieder Interessenten auf den Hof“, sagt Gossart. Preislich möchte sie sich gar nicht an der Konkurrenz in der Region orientieren. Sie habe große Investitionen getätigt und einen Agrarlandwirt in Vollzeit eingestellt, weshalb auch die Personalkosten entsprechend hoch seien. „Es macht keinen Sinn, wenn ich Preise nehme, wo ich draufzahlen muss“, sagt die Betriebsleiterin. Sie schaut optimistisch auf ihren Markteinstieg: „Das Interesse, Pferde anders zu halten, ist auf jeden Fall da.“ So viele Pferde und Betriebe gibt es Im Kreisgebiet sind in diesem Jahr 5437 Pferde in 923 Betrieben gemeldet. 85 der Betriebe sind in der Gemeinde Hürtgenwald ansässig. Dort werden 744 Pferde gehalten. All diese Zahlen sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Im Jahr 2014 waren es in Hürtgenwald noch 683 Tiere in 75 Betrieben. Hierbei handelt es sich jedoch nur um die offiziellen Zahlen. Leider gebe es immer wieder Halter, die ihrer Meldepflicht nicht nachkämen, räumte der Kreis ein.