Aachener Zeitung 9.11.2017

Im Waldfriedhof wird das Angebot erweitert Gut sechs Jahre nach seiner Eröffnung wird der Ruhehain in Simonskall erstmals vergrößert - um fast die Hälfte der Fläche. Bislang wurden 600 Personen in Urnen beigesetzt. Der Großteil kommt nicht aus der Gemeinde. VON CARSTEN ROSE Simonskall. Der Andrang ist zwar nicht mehr so groß wie zu Zeiten der Eröffnung, aber die Nachfrage reicht aus, so dass der Ruhehain erweitert werden soll. Um fast 50 Prozent der Fläche. Es ist die erste Vergrößerung seit der Eröffnung am 30. September 2011. Ein guter Anlass also, mit dem Mann zu sprechen, der das Unternehmen mit den Grabstellen im Wald leitet: Ralf Görner, Geschäftsführer der Ruhehain Hürtgenwald GmbH. Er ist bislang zuständig für gut 2,5 Hektar Wald (das sind etwas mehr als drei Fußballfelder), in dem Verstorbene mit biologisch abbaubaren Urnen neben 290 Bäumen beigesetzt werden. Weitere gut 2,2 Hektar sollen dazu kommen. „Meine Erwartung hat sich voll und ganz erfüllt. Wir schreiben schwarze Zahlen", antwortet Görner auf die Frage, ob das Geschäft mit der im wahrsten Sinne natürlichen Bestattung lohnt. 2380 Grabstellen stehen bislang zur Verfügung, zwölf bis 20 können es pro Baum sein. „Wir haben in den sechs Jahren gut 1000 Nutzungsrechte verkauft und rund 600 Beisetzungen durchgeführt", sagt Görner. Viele aus der Voreifel Die Auslastung der bisherigen Ruhehain-Fläche liegt also bei gut 40 Prozent beziehungsweise rund 170 Veräußerungen pro Jahr. Dass mehr Grabstellen hinzukommen sollen, wie der Rat der Gemeinde bereits beschlossen hat, liegt daran, dass die günstigste Kategorie der Bäume beinahe ausverkauft ist. Es muss also Nachschub her. Die Kategorien 1 (günstigste) bis 4 orientieren sich am Baumdurchmesser ab der Brusthöhe. Entscheidend für die Kategorie ist der Durchmesser des Baumes beim Kauf - nicht der potenzielle, wenn der Baum ausgewachsen ist. Zu Zeiten der Planung, die sechs Jahre gedauert hatte, dachten Görner und die Gemeinde an einen weiteren Friedhof für die Hürtgenwalder. Aber: Nur etwa 25 Prozent derjenigen, die Nutzungsrechte haben, kommen tatsächlich aus der Gemeinde. Der Großteil mit geschätzt 60 Prozent komme aus dem Aachener Raum und der Voreifel. Der Rest entfalle auf Touristen. Görner: „Montags klingelt ganz oft das Telefon, weil Touristen den Ruhehain auf dem Weg runter nach Simonskall gesehen haben. Eine Verstorbene kam sogar aus Südamerika." Laut Görner sind auch ehemalige deutsche Kriegsveteranen im Ruhehain beigesetzt. Görner könne sich auch vorstellen, dass im Zuge des jährlichen Hürtgenwaldmarsches künftig auch US-Amerikaner an der Beisetzung im Wald interessiert sein könnten. Insgesamt hat die Ruhehain GmbH sieben Hektar gepachtet, die Bestattungsfläche könnte also noch mal um mehr als zwei Hektar erweitert werden. „Das werde ich aber wohl nicht mehr erleben", meint Görner, „denn die Fläche wurde bei einem Sturm vor drei, vier Jahren stark beschädigt. Da müsste man erstmal nachhaltig nachpflanzen." Görner betont auch, dass die generelle Zukunft der Bestattungswälder viel von der Politik abhänge. Die entscheidet letztlich, welchen Spielraum die Bürger in ihrer Bestattungskultur haben - in anderen Ländern gibt es Optionen, die hierzulande verboten sind. In den Niederlanden zum Beispiel darf die Asche im Fluss oder an einem geliebten Ort in der Natur verstreut werden. Geschäftsführer der Ruhehain Hürtgenwald GmbH: Ralf Görner. Zweiter Bestattungswald In Merode geplant In der Gemeinde Langerwehe ist der Friedwald Meroder Wald geplant. Die Eröffnung ist laut der Friedwald GmbH aus Griesheim im Jahr 2018 geplant. Das zur Verfügung stehende Areal ist 47 Hektar groß. Die Kooperationsverträge zwischen dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW, der Gemeinde Langerwehe, dem Prinzen von Merode und der Friedwald GmbH wurden im Februar dieses Jahres unter-zeichnet.